|
Berliner Schulkinder vor 100 Jahren
Berlin vor hundert Jahren
ist nicht nur Hauptstadt, sondern zugleich größte
Industriestadt des Deutschen Reiches, Garnisonsstadt, Weltstadt,
Kulturstadt, Handels- und Verkehrszentrum, Stadt der Arbeiterviertel
und der vornehmen Wohngegenden, Ort der sozialen und politischen
Gegensätze.
Die Großstadt prägte die Lebensbedingungen der
Kinder und Jugendlichen, ihre Vergnügungen und
Beschäftigungen. Sie schufen sich eigene Spielräume
voller Eigensinn und kindlichem Frohsinn - selbst auf den
Hinterhöfen der Mietskasernen. Die Berliner
„Göre“ war ein Symbol städtischen
Lebens.
Die Schule versuchte, die Kinder in ihrer Freizeit von
„grobem Unfug“ abzuhalten. Von der
Schulbehörde wurden Belehrungen heraus- gegeben, wie die
„Warnung vor dem Schießen von Knallpistolen, vor
der Belästigung des Publikums durch Werfen von
Gegenständen und durch Prügeleien, vor
Ungezogenheiten im Betriebe der Straßenbahn, vor
dem Werfen von Gegenständen auf Eisenbahn- schienen, vor
Belästigung von Radfahrern“.
Aufgrund der räumlichen Enge der Stadtviertel und Wohnungen,
in denen die Kinder aufwuchsen, mussten viele ihre freie Zeit auf der
Straße verbringen. Fotos von rollschuhfahrenden Kindern,
Bord- steinspiel und einem Sprengwagen vermitteln den Eindruck, dass
sie dies durchaus mit Vergnügen taten. (s. Unterthema Kinderleben um 1900)
Schule um
1900 erschließt sich auf den ersten Blick durch
Schul- mobiliar aus jener Zeit. Mit Absicht wurde bei der
Präsentation auf die naturalistische Wiedergabe eines
„historischen Klassen- zimmers“ verzichtet in der
Hoffnung, dadurch die Reproduktion von Stereotypen über
„die gute alte Zeit“ nicht weiter zu
befördern.
Gezeigt werden nur einzelne Möbelstücke, die zu den
Standard- ausstattungen eines wilhelminischen Klassenzimmers
gehörten und bis weit in die fünfziger Jahre in
Schulen Verwendung fanden: eine Schiebe- und Wendetafel, ein
Lehrmittelschrank, je zwei Dreisitzer- und
Zweisitzer-Schulbänke.
|
|