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Archiv - Dauerausstellung:  Raum 4 - Kinderleben
Karl  Karl -  10 Jahre
WILLI MARTHA ANNA FRIEDA OTTO ELSE GRETE FRITZ TRUDE KARL ERWIN EITEL HERTHA MAX LUZIE
Ich heiße Karl und gehe in die vierte Klasse.

Unser Lehrer ist streng, aber gerecht.
Mein Vater sagt, der hält es heimlich mit den Sozis, weil der Unterricht manchmal so neumodisch ist. Das kann ich nicht beurteilen,
ich kenne ja die Schule von früher nicht.
Aber das mit den Strafen kann ich beurteilen.

Unser Lehrer, Herr Lenz, lehnt die Prügelstrafe ab. Wenn wir etwas angestellt haben, denkt er sich eine passende Strafe aus. Bei mir zum Beispiel, im letzten Winter, das fand ich in Ordnung.  Da war nämlich einem Kohlen- wagen ein Rad gebrochen und ich - auf dem Weg zur Schule - kam gerade dazu, als sie die Pferde ausgespannt hatten und anfingen, die Kohlen abzuladen. Viele Leute standen schon da, schauten zu und machten ihre Witze.
Ich blieb natürlich auch stehen. Als mir endlich wieder einfiel, daß ich ja zur Schule mußte... Ich kam jedenfalls zu spät, das Morgengebet war schon vorbei. Als ich mich entschuldigte und sagte,  warum ich zu spät komme, durfte ich vor der Klasse den ganzen Unfall erzählen.

Herr Lenz weiß, daß ich gut erzählen kann.
Die Verspätung konnte er aber nicht durch- gehen lassen. Als Strafe bekam ich auf, einen Aufsatz über unsere Schulordnung zu schreiben.

Das war ziemlich einfach, weil wir sie immer mal wieder durchkauen. Es gibt eben doch öfter „Verstöße gegen die Schulordnung“, so sagt unser Lehrer, wenn wir uns nicht an die Regeln halten. In  meiner Strafarbeit habe ich aufgeschrieben, was die Lehrer von uns verlangen.

„In der Schule muß Ordnung sein. Wir kommen zehn Minuten vor Anfang des Unterrichtes zur Schule. Wenn wir in das Schulhaus treten, nehmen wir die Mütze ab und streichen die Füße ab. Dann gehen wir still und langsam auf der rechten Seite die Treppe hinauf in unser Zimmer.
Dort setzen wir uns still auf unseren Platz.
Wir können uns leise unterhalten.
Sobald der Lehrer eintritt, stehen wir auf und grüßen. Während des Unterrichtes dürfen wir nur mit dem Lehrer sprechen.
Sonstige Gespräche sind zu vermeiden.
In der Pause gehen wir zu zweien und klassenweise im Kreise herum. Dabei dürfen wir nicht aus der Reihe laufen.
Das Frühstückspapier werfen wir in den dafür bestimmten Ort.  Nach dem Unterrichte treten wir zu zweien an und verlassen das Zimmer.
Wir gehen still die Treppe hinab und gehen dann raschen Schrittes nach Hause.
Fehlen wir einmal, so entschuldigen wir uns.“


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