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Herstellung von Tinten
Die äußere Form der
Schriftstücke,
die in den Kanzleien ausgefertigt wurden, war abhängig vom
Verwendungszweck und unterschied sich durch das Schreibmaterial.
Man schrieb auf Pergament oder Papier. Als Schreibgeräte
dienten
angeschnittene Vogelfedern. Im 16. Jahrhundert wurde meist mit
schwarzen oder braunen Tinten geschrieben. Farbige Schreibstoffe
dienten zum Hervorheben von Textstellen oder zum Verzieren der
Schriftstücke. In
der Regel stellten die Schreiber Tinten und Tuschen selbst her.
In dem Buch „Haimliche und verborgne Cancellei“
sind ca. 60
Rezepte aufgeführt. Zum Schreiben auf Papier war die
sogenannte
Eisengallustinte, eine schwarze Tinte, am gebräuchlichsten.
Der Name dieser Tinte ist abgeleitet von ihrem wesentlichen
Bestandteil, den Galläpfeln. Sie kommen im Herbst an der
Unter-
seite von Eichenblättern vor, entstehen durch abgelegte und
befruchtete Eier der Eichengallwespe und enthalten Gallusgerb-
säure und Gallussäure. Ein Sud von
Galläpfeln
erhält in Verbindung mit schwefelhaltigen Substanzen eine
tiefdunkle Färbung.
Das Rezept nennt folgende Zutaten:
ein halbe maß wassers
ander halb virteil von einer maß wein
auch so vil weynessigs
alß dann nim sechs loth galloepfel klein gestossen
vier loth victril auch gestossen
vier lot gummi arabicum klein gestossen
Aus den zerstoßenen Galläpfeln sollte mit einem Teil
der
Flüssig- keiten ein Sud bereitet und dieser nach drei oder
vier
Tagen mit den ebenfalls in Flüssigkeit gelösten
anderen
Substanzen vermischt werden.
Nach weiteren drei Tagen wurde die Mischung durch ein Tuch geseiht:
„so hastu gute dinten“. Vom Ansetzen bis zum
Abseihen der
fertigen Tinte vergingen also etwa sieben Tage.
Die unterschiedlichen Farbtöne von Tuschen oder
Färbemitteln
zum Einfärben von Federn oder Pergament wurden vor allem durch
die
Verwendung verschiedener Mineralien und Pflanzen erzielt.
Für gelbe, grüne und blaue Farbtöne standen
eine Reihe ein- heimischer Pflanzen zur Verfügung.
Für rote Farben bildete häufig Presilge, ein
Färbeholz
aus Brasilien, den Grundstoff. Aus einigen Pflanzen, z.B. Kreuzdorn,
konnte man sogar unterschiedliche Farben gewinnen, je nachdem, welche
Substanz dem Pflanzensaft zugefügt wurde.
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