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„Haimliche und verborgne Cancellei“
Früher wurde Schreiben als Dienstleistung in verschiedenen Arten von Schreibstuben erbracht.
Aus der Tätigkeit des Schreibers haben sich im Laufe der Jahr-
hunderte vielfältige Berufe für Bürodienste,
Rechtsanwaltskanzleien, Notariate und Verwaltungen entwickelt.
Amtliche Schriftstücke wurden in besonderen Schreibstuben, den sogenannten Kanzleien, ausgefertigt.
Abgeleitet von dem lateinischen Wort „cancelli“
(Gitter/Schranken) wurden so ursprünglich von der
Öffentlichkeit abgetrennte Amtsräume bezeichnet.
Als früheste ist die päpstliche im 4. Jahrhundert nachgewiesen.
Auch Kaiser, Könige sowie weltliche und kirchliche Fürsten
unterhielten Kanzleien zur Abfassung von Urkunden, Gesetzen und anderen
Schriftstücken.
Neben Schreibern und Sekretären gehörten ihnen auch Rechts-
kundige (notarii) an. Den Vorsitz führte der Kanzler, der als
„rechte Hand“ seines Herrschers galt. Er war für die
Ausführung von Staatsurkunden zuständig und verwahrte das
Siegel.
Die heutige Bezeichnung „Bundeskanzler“ für den
Regierungschef unseres Staates hat ihren Ursprung in den früheren
Kanzleien. Für die Fertigung geschäftlicher
Schriftstücke des sich herausbildenden Bürgertums entstanden
zunehmend auch private Kanzleien.
Abschrift
Haimliche und ver
borgne Cancellei.
Wie ein gut freundt dem andern haimliche
und verborgne brieff / dmit sie nit so bald von jderman
gelesen / durch vil seltzame charakters und practik / zu
schreiben mag / ein kurtzer bericht.
Item / Von mancherlei weiß dinten unnd farben zu-
machen / Auch wie mann goldt und silber / sampt allen
metallen auß der federn schreiben / Auch federn und per
gamen allereley farben ferben sol.
Item / Ein kurtz Cantzellei buechlein / wie man einem
jeden / hohen unnd nidern standts / geburt / oder ampts
halben schreiben sol.
Allen Schreibern vast nützlich zuwissen.
Gedruckt zu Straßburg beim J Cam-
merlander in der grossen Stadlgaß.
Das Buch „Haimliche und verborgne Cancellei“ aus dem Jahre
1539 kann als eine Art Leitfaden für Kanzleischreiber betrachtet
werden.
Es umfasst drei Teile und beschäftigt sich mit der Herstellung von
Tinten, mit Vorschriften für die Anrede in Schriftstücken und
mit verschiedenen Möglichkeiten, geheime Nachrichten zu
übermitteln.
Diese sehr seltene Publikation ist nur in drei Bibliotheken
Deutschlands nachgewiesen. Das vorgestellte Exemplar ist das
älteste Buch der Sammlung Kindheit und Jugend der Stiftung
Stadtmuseum Berlin.
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